GESUNDHEIT






Rinder leben, gut gehalten, viele Jahre und werden auch mal krank. Wenn dann Medikamente zum Einsatz kommen müssen, haben homöopatische und pflanzliche Mittel bei uns immer Vorrang. Nur wenn diese nicht existieren, keinen Erfolg haben oder die Zeit zum Ausprobieren dem Risiko für das Tier entgegensteht, geben wir konventionelle Mittel. Einen Einsatz von Antibiotikum wägen wir genau ab und entscheiden darüber auch tier-individuell. Bei Zuchttieren, die ja lange am Betrieb bleiben und nicht geschlachtet, sondern Nachwuchs bekommen sollen, ist der Einsatz gerechtfertigt, falls sonst Gefahr für das Tier droht und keine Alternativen zur Verfügung stehen. Einen Ochsen, der z.B. in 4 Monaten "schlachtreif" wäre und vielleicht wegen einer kniffligen Klauenentzündung behandelt werden müsste, würden wir lieber gleich schlachten lassen, anstatt Antibiotika zu geben. Würde ein Schlachttier doch einmal behandelt, wird vor der Schlachtung mindestens die doppelte Wartezeit des Medikamentes (Zeit zum Abbau und Ausscheiden aus dem Körper) eingehalten. Da das bei Bio vorgeschrieben ist und damit eine Mindestgrenze darstellt, warten wir, wenn möglich, noch deutlich länger.

Statt zu behandeln, beugen wir lieber vor. Und die Möglichkeiten dafür sind mannigfaltig. Die Art und Weise, wie wir die Rinder halten, trägt ungemein zu ihrer Gesunderhaltung bei. Wie beim Menschen zählen dabei gute Ernährung, Hygiene, viel Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf, gute Sozialkontakte und die Vermeidung von Stress. Aber auch andere Dinge, die nicht so offensichtlich sind, können großen Einfluss auf die Gesundheit von Rindern und Nutztieren im allgemeinen haben:

Heutzutage ist es leider nicht unmöglich, dass der halbe Bestand tot umfällt, weil versehentlich eine falsche Bakterie in den Stall gelangte. Nutztierseuchen sind menschengemacht! Einer der Gründe dafür ist die Verarmung der genetischen Vielfalt durch die profitorientierte Züchtung auf Milch- und Fleischleistung. Eigenschaften wie Robustheit, Leichtkalbigkeit, Klauengesundheit, Langlebigkeit, geringe Stressanfälligkeit und Resistenz gegen Krankheitserreger gingen immer mehr verloren, ebenso wie ursprüngliche, an regionale Umwelteinflüsse angepasste, aber weniger "profitable" Rassen. Ungemein beschleunigt wird dieser Prozess durch die Besamung. Kaum ein Rinderbetrieb hat noch selber gute Deckbullen aus regionaler Zucht. Abertausende von Kühen werden mit Sperma besamt, das von einigen wenigen Hochleistungsbullen herstammt und teilweise weltweit versendet wird. Ganze Bestände sind letztlich zu eng miteinander verwandt und genetisch sehr ähnlich. Wir haben einen eigenen Deckbullen, der mit der Herde zusammenlebt. Unsere Auswahlkriterien waren vorallem gutmütiger Charakter, Gesundheit und die Tatsache, dass seine Kälber nicht zu groß auf die Welt kommen, um Probleme rund um die Geburt zu vermeiden. Die wenigen Erfahrungen, die wir trotz Skepsis mit "Besamungstieren aus dem Katalog" oder deren direkten Nachkommen gemacht haben, waren durchweg negativ.

Krankheitsanfällige Tiere würden wir trotz ausgezeichneter Fleischleistung nicht zur Zucht verwenden. Die Charolais Herde haben wir mit der Hofübergabe "geerbt". Wir lieben ihren Charakter und finden sie sehr schön. Ihre Fleischqualität ist ungemein reizvoll. Und wir können i.d.R. alle Tiere gesund und fit halten. Aber würden wir mit der Rinderhaltung neu starten, käme für uns wahrscheinlich eine andere, noch robustere und standortangepasstere Rasse in Frage. Charolais haben häufiger Abkalbe- und Klauenprobleme als andere Rassen. Genau das sind auch die zwei Dinge, mit denen wir es meist zu tun haben, wenn der Tierarzt kommen muss. Andere typische Erkrankungen wie Durchfälle, Grippe, Nabelentzündungen und ähnliches sind bei uns dagegen sehr selten.

Ein weiterer, für uns wichtiger Aspekt der Rindergesundheit ist, dass an ein Rind Hörner gehören. Zu diesem Thema findet ihr auf der "Rinder" Übersichtsseite eine eigene Rubrik.

Und schließlich gibt es da die kleinen aber vielleicht völlig unterschätzen Zusammenhänge von Nutztiergesundheit und Ökosystem Wiese. Die Gräserarten, die in der Regel für eine Mähwiese oder Weide angesäht werden, kann man an einer Hand abzählen. Artenreiches Grünland ist das wohl nicht. Aber unterschiedliche Wirkstoffe in verschiedenen Kräutern und Gräsern bieten den Tieren doch eine "Natur-Apotheke", aus der sie sich theoretisch je nach Belieben bedienen könnten. Durch nicht zu frühes Mähen und geringere Schnittzahlen, die nicht "alles aus der Wiese rausholen, was geht", versuchen wir die Kräuter, die auf unseren Flächen gedeihen, zu erhalten, auch wenn sie angeblich "keinen Futterwert" besitzen. Vom ökologischen Nutzen dieser Maßnahmen mal ganz abgesehen...