HERDENMANAGEMENT






Wir betreiben Mutterkuhhaltung und unsere Rinder sollen in einem möglichst natürlichen Herdenverband leben können. 2015 haben wir auf Ochsen- und Kälbermast umgestellt. Die Kühe werden nicht künstlich besamt, sondern vom mitlaufenden Bullen gedeckt (Natursprung). Die Kälber verbleiben nach der Geburt bei ihren Müttern und bekommen daher in den ersten Lebenswochen ausschließlich die so wertvolle Muttermilch bis sie von ganz alleine zusätzlich Gras, Heu und später auch (Klee-)grassilage fressen. Kälber und Jungtiere trinken bei uns so lange am Euter bis sie von der Mutter entwöhnt werden oder diese ein neues Kalb bekommt. Das ist gut für die Entwicklung des Nachwuchses, die Mutterkühe laufen weniger Gefahr zu verfetten und es kommt dem natürlichen Herdenverhalten von Rindern nahe. Milchviehkühe lässt man jedes Jahr eine Zeit lang "trocken stehen", d.h. sie werden in dieser Zeit nicht gemolken, u.a. damit sich ihre Euter erholen können. Auch bei Fleischrindern ist es gängige Praxis, die älteren Kälber etwa 2 Monate vor der nächsten Kalbung von den Müttern zu trennen. Unsere Mutterkühe regeln das von alleine, ganz ohne Stress und Gebrüll. Euter- oder Biestmilchprobleme gab es bei uns noch nie. Und die alten Kälber aktzeptierten bisher immer, dass ihre Säugezeit vorbei ist, wenn Mama ein neues Kälbchen hat.

Wie auf der Sommerweide sind die Tiere auch im Winterstall als Herde zusammen. Abkalbende Kühe oder kranke Tiere trennen wir mittels Holzriegeln und Stromgittern von den anderen Tieren. So haben sie weiterhin Kontakt zur Herde. Die Kleinsten haben im Stall zusätzlich freien Zugang zu einem nur für sie zugänglichen Kälberbereich mit freier Sicht auf die Herde, damit sie ungestört fressen und ruhen können. Naja. Wir haben zumindest versucht den Kälberbereich nur für Kälber zugänglich zu machen. Aber manche dicke, große Lauser robben sogar auf der Seite liegend! unter den Holzpfosten hindurch in das Abteil hinein, um sich dort mit Kälberheu den Wanst vollzuschlagen! :)

Ein wichtiges Thema in der Mutterkuhhaltung ist die Vermeidung von Inzucht. Männlicher Nachwuchs darf die Mutterkühe und Schwestern nicht bespringen und der Deckbulle nicht seine Töchter. Außerdem kommt es zwischen Bullen zu Rangkämpfen, wenn Weibchen in der Nähe sind, da sie mit der Geschlechtsreife untereinander in Konkurrenz um die weiblichen Tiere treten. Diese Rangkämpfe können sehr gefährlich werden, sodass mehrere Bullen und weibliche Rinder in der Regel nicht zusammen gehalten werden können. Lösungen gibt es theoretisch mehrere: z.B. den Verkauf des Nachwuchses vor der Geschlechtsreife oder riesige Weideflächen und ganzjährige Freilandhaltung, wo sich die Tiere genügend aus dem Weg gehen können, oder das Bilden verschiedener Herden bzw. mehrerer Geschlechter- oder Altersgruppen, die weit genug voneinander entfernt sind.


Wir lassen die männlichen Kälber im Alter von 3 bis 4 Monaten vom Tierarzt mit einer nichtinvasiven Methode zu Ochsen machen (Burdizzo-Zange, mit Betäubung und Schmerzmittel), damit sie bei der Mutterherde verbleiben können. Die weiblichen Kälber und Färsen werden geschlachtet, wenn sie etwa 8 bis 11 Monate alt sind (Charolais sind spätreif). Sie können ja nicht so einfach wie Bullenkälber kastriert werden. Dafür haben wir mehr Platz im Stall für die Ochsen, die wir länger mästen können. Außerdem produzieren wir mit Ochsen-, Kalb- und Färsenfleisch auch besonders gutes Fleisch. Und wir realisieren die in unseren Augen schönste und artgerechteste Haltung: eine Herde im Familienverband mit Tieren allen Alters.