RINDERRASSE CHAROLAIS






Das Charolais-Rind (ausgesprochen: "Scharole" mit Betonung des langen "e") - leicht zu erkennen am weißen bis cremefarbenen Fell, den rosa Nasen und hellen Hörnen - ist eine große französische Rinderrasse, die hauptsächlich zur Fleischgewinnung gezüchtet und gehalten wird. In Deutschland werden Charolais auch gerne zur Kreuzung mit anderen Rinderrassen verwendet, um die Fleischausbeute der Nachkommen zu erhöhen. Für die Milchproduktion hat diese Rasse zwar keine wirtschaftliche Bedeutung, aber ihr zartes, wohlschmeckendes Fleisch wird in Frankreich schon seit langer Zeit hoch geschätzt. Und auch deutsche Gaumen rufen immer öfter nach Charolais!

Bei der Zucht dieser Rasse haben die Franzosen nicht nur auf guten Fleischansatz mit hoher Ausbeute an Edelteilen geachtet, sondern auch streng nach ruhigem und gutmütigem Charakter selektiert. Das merkt man dieser Rasse bei guten Zuchtbetrieben auch heute noch an. Wir empfinden unsere Kühe als entspannt und umgänglich. Die Bullen sind gut zu händeln und nicht so agressiv wie die einiger anderer Rassen.

Charolais sind gut bemuskelt. Das Fleisch ist feinfaserig und marmoriert und schmeckt bei guter Fütterung sehr aromatisch. Eine gute Schlachtausbeute ist durchaus mit reiner Weidefütterung ohne Mastfutter möglich, wenn der Bewuchs "fett" und proteinreich genug ist, z.B. durch einen ausreichend hohen Kleeanteil. Karge Magerwiesen sind dagegen ungeeignet. Da Charolais zu den großrahmigen Rassen zählen und ein hohes Gewicht erreichen, eignen sie sich auch nicht für feuchte, moorige Weiden.

Während Färsen, Bullen und Ochsen reichhaltiges Futter sehr effizient in Muskelmasse umsetzen können, neigen Charolais Mutterkühe bei zu reicher Fütterung und kurzer Säugezeit zum Verfetten und zu Schwergeburten. Bei Selbstbedienung auf der Weide regulieren sie ihr Gewicht von selbst sehr gut. Wird Futter im Stall vorgelegt, muss man aber aufpassen. Außerdem sind sie spätreif und sollten nicht zu früh gedeckt werden. Wer hier Geduld beweist, beugt späteren Abkalbe- und Fruchtbarkeitsproblemen vor. Ihr Kälberschutzinstinkt ist sehr ausgeprägt. Die Milchleistung ist gut. Viele Charolais Kühe könnten auch Zwillinge problemlos durchbringen. Sie sind gute und fürsorgliche Mütter. Wenn Gesundheit und Wohlbefinden leiden, neigen Charolaiskühe zum "Stillrindern", d.h. ihr Verhalten zeigt dann ihre Fruchtbarkeit kaum oder gar nicht an (ein Bulle riecht den Eisprung trotzdem ganz deutlich).

Bei Charolais darf man auch die Klauenpflege nicht vernachlässigen. Die Klauen sind nicht besonders hart und wachsen unten schnell rund, besonders wenn sie wenig Abrieb haben. Bei Verwachsungen und Fehlstellungen können sich dann schnell Klauengeschwüre bilden.

Auch wenn Charolais ein weißes Fell haben, sind pralle Sonne und Hitze für sie, wie für die meisten anderen, heimischen Rinderrassen, problematisch. Mit Kälte kommen sie dagegen sehr gut zurecht. Für eine ganzjährige Weidehaltung sind sie, Schattenplätze vorrausgesetzt, sehr gut geeignet.

Charolaiskälber sind frohwüchsig, wenn sie genug Muttermilch bekommen. Meiner Meinung nach sollte man durch die geeignete Auswahl und die angepasste Fütterung der Elterntiere lieber Geburten kleiner Kälber anstreben, die dann durch gute Aufzuchtbedingungen schnell wachsen, als Geburten großer Kälber, die letztlich nur Probleme, Verluste, Kosten und Leid verursachen. Wenn eine Charolais Kuh immer wieder nur durch Kaiserschnitt entbunden werden kann, weil das Katalog-Besamungs-Kalb so riesig ist, stimmt doch etwas nicht in der Rinderzucht!