DER RINDERSTALL






  • im Winter: Freilaufstall mit Stroheinstreu und kleinem befestigten Außenfreilauf
  • Frühjahr bis Herbst: freier Weidegang (Tag und Nacht)

Wir haben das Glück, dass unsere Weideflächen direkt um den Stall herum liegen. So können die Rinder während der Weidesaison jederzeit und nach Belieben in den Stall hinein, um zu trinken, Heu zu fressen, am Salzstein zu lecken, oder vor Hitze, Sonne und Regen zu flüchten. Die Weidefläche ist gute 3 Hektar groß, aufgeteilt in 3 Parzellen, die im Rotationssystem genutzt werden. So können jeweils 2 Parzellen nachwachsen, während eine abgegrast wird.

Da unser schwerer, lehmiger Boden im Winter zu matschig wird, ist der Weidegang zu dieser Jahreszeit nicht möglich. Die Tiere würden die Grasnarbe sonst völlig zertrampeln. In der kalten Jahreszeit sind die Rinder daher im Freilaufstall untergebracht. Es ist ein umgebauter ehemaliger Anbinde-Milchviehstall, dessen gesamte Lauf- und Liegefläche mit Stroh eingestreut wird.

An unserem Kuhstall erkennt man noch die alte Bauweise: massiv, geschlossen und relativ niedrig. In solchen Ställen war es auch im Winter warm, dafür aber oft feucht und stickig. Heutzutage werden neue Ställe ganz anders gebaut: hoch und offen, um viel Kontakt zum Außenklima zu ermöglichen, mit Frischluft, Kältereiz und Sonnenlicht. Die Baukosten für einen solchen Stall würden wir wohl in 100 Jahren nicht erwirtschaften und so arbeiten wir mit dem was schon da ist. Mit durchdachten und kostengünstigen Umbauten in Eigenregie versuchen wir den Stall zu optimieren.

Bedingt durch die ehemalige Nutzung als Anbindestall hat die Fläche, auf der die Rinder untergebracht sind, keine rechteckige, sondern eine U-Form. Das ist zwar nicht optimal, aber es geht recht gut, da die Besatzdichte bei uns nicht hoch ist. Es ist eine zusammenhängende Fläche ohne Boxen oder Buchten, auf der die Tiere laufen, fressen und gemeinsam ruhen und schlafen. Müssen einzelne Tiere separiert werden (z.B. für´s Abkalben oder wegen Krankheit), können wir mittels dicken Holzriegeln und Stromgittern einzelne, reversible Abteile schaffen. Nur für die Kleinsten gibst es ein dauerhaftes Extra-Abteil (Kälberschlupf), welches die Kälber nach Belieben betreten und verlassen können.

Dem Stall angeschlossen ist ein etwa 45qm großer, betonierter und für die Tiere frei zugänglicher Außenfreilauf.

Die Stallfläche für die Tiere misst inklusive Freilauf 209qm. Bei durchschnittlich 25 Tieren unterschiedlichen Alters und Größe macht das für jedes Tier, egal ob Kalb oder Mutterkuh, 8,36qm. Das ist laut EU-Öko-Verordnung völlig ok (mindestens 5 bis 6qm pro ausgewachsener Kuh). Wir würden unseren Dicken aber gerne noch mehr Platz bieten. Sobald Zeit und Finanzen es erlauben, wollen wir Stall und Freilauf vergrößern.

Im Winter wird der Stall täglich mit Stroh eingestreut. Bei unserem Stall spricht man von einem sog. Tiefstreustall, bei dem die Rinder auf einer langsam anwachsenden Stroh-Mist-Matratze stehen. Es ist die Stallform mit dem höchsten Strohverbrauch und diesbezüglich auch die kostenintensivste. Stroh isoliert gut gegen Kälte, ist weich, flexibel, saugt sich nur langsam mit Flüssigkeit voll und ist recht resistent gegen Schimmel. Durch das Laufen und Liegen der Tiere wird das Einstreu zusammen mit den Rinderausscheidungen verdichtet. So entsteht sog. Festmist ohne Gülle. Oben wird immer wieder frisches, trockenes Stroh aufgestreut. Flüssigkeit sickert nach unten und wird dort aufgesaugt. Der obere Teil der Stroh-Mist-Matratze ist also relativ trocken und sauber, während der untere Teil feucht ist und zu rotten beginnt. Da bei diesem Verrottungsprozess Schadgase entstehen und die Mistmatraze Feuchigkeit speichert, ist das Stallklima in einem geschlossenen Stall umso besser, je häufiger man ausmistet. Wir misten alle 3 bis 4 Wochen aus. Zum Vergleich: Es gibt auch Tiefstreuställe, die nur einmal pro Saison oder Halbjahr ausgemistet werden (müssen?).

Der Mist ist für uns wichtiger Dünger. Er wird auf einem Misthaufen gelagert, wo er rotten kann, und nach der Ernte- und Weidezeit auf die Wiesen und Weiden aufgebracht, um dem Boden wichtige Nährstoffe zurückzuführen. Wir haben zwar auch eine Güllegrube. Diese dient aber "nur" noch zum Sammeln von Sickerwasser vom Misthaufen und vom Freilauf. Der Rest ist Regenwasser. Der Grubeninhalt muss ebenfalls regelmäßig auf die Flächen gefahren werden.