UMGANG MIT DEN RINDERN






Wir wollen den Tieren ein möglichst schönes, natürliches und artgerechtes Leben bieten. Bei uns hat nicht der Profit oberste Priorität, sondern Wohlbefinden, Gesundheit, Robustheit und leichtes Abkalben. Wie man mit den Tieren umgeht hat natürlich großen Einfluss darauf.

Rinder brauchen für ihr Glück keinen engen Kontakt zu Menschen. Auf winterfesten, riesigen Weiden, die genug Platz und Futter bieten, brauchen sie nur Wasser, Schattenplätze und zugfreie Unterstellmöglichkeiten. Dann kommen sie ohne die menschliche Obhut prima aus und leben in einer Herde so wahrscheinlich am "glücklichsten". Wenn ihnen dann auch noch durch Kugelschuss auf der Weide das Schlachthaus erspart bliebe, wäre es natürlich das Nonplusultra. Bei unserer Haltungsform leben und arbeiten wir enger mit den Tieren zusammen und haben täglichen, direkten Kontakt, vorallem im Winterstall, wenn der Weidegang bodenbedingt nicht möglich ist. Allein die Tatsache, dass die Tiere zeitweise in einem Stall leben, bedeutet für sie eine Einschränkung. Und umso mehr Aufwand, Mühe und Feingefühl erfordert es, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, ein harmonisches Herdengefüge zu ermöglichen und sicherzustellen, dass sie ihr rindereigenes (Sozial-)verhalten ausleben können. Klar, müssen wir ohne dickes Portemonnaie und begrenzter Weidefläche Kompromisse machen. Aber könnten wir Rinder nicht wirklich anständig halten, hätten wir keine Rinder.

Für uns sind die Tiere keine "Produktionseinheiten", sondern liebenswerte Individuen mit eigenem Charakter und Persönlichkeit. Jedes Tier hat seinen Namen, ob Mutterkuh oder Schlachtochse. Und die Rinder wissen auch wie sie heißen, weil wir sie so ansprechen und mit ihnen reden, uns Zeit für sie nehmen und sie dabei gerne streicheln und kratzen. Wir kennen unsere Spezis sehr gut und haben natürlich auch besondere Lieblinge. Die engste Bindung haben wir zu den Mutterkühen. Aber auch manche Ochsen, die wir einige Jahre großziehen, wachsen uns manchmal so sehr an´s Herz, dass wir sie am liebsten gar nicht mehr hergeben wollen. 

Es ist immer wieder ein kleines Wunder, wenn ein Kälbchen geboren wird und dann in "Zeitraffergeschwindigkeit" heranwächst. Wie sich die Tiere und das Herdengefüge entwickeln und mit der Zeit verändern, ist spannend und interessant.

Die in der Weidezeit geborenen Kälber sind oft etwas wild und scheu. Unser Tierarzt, der die Bullenkälber kastrieren muss, kann davon ein Lied singen :) Sie haben meist kein Bedürfnis Kontakt zu den komischen Zweibeinern aufzubauen. Alles was sie brauchen ist Mama mit der Milchbar, Platz zum Rumdüsen und ihre arteigenen Kumpels um Unfug zu treiben. Gar kein Vergleich zu knuddeligen, zahmen Milchviehkälbern in ihren Einzel-Iglus! Gerade in der Weidezeit profiteren wir von den "alteingesessenen" Rindern. Die Mutterkühe, der Bulle und die älteren Ochsen haben Vertrauen zu uns und wissen wie der Hase läuft. Sie kennen die Routine und Kommandos. Kälber und zugekaufte Mutterkühe orientieren sich an ihnen und lernen von den Alten. Durch die täglichen Fütter- und Reinigungsarbeiten v.a. im Winterstall gewöhnen sich die Tiere dann langsam an uns. Und wenn sie erstmal kapiert haben, dass Menschen lecker Futter bringen und ihnen ausgezeichnet den Pelz kratzen können, werden sie manchmal richtig anhänglich.

Es macht sich sehr bezahlt, Zeit zu investieren, den Charakter der einzelnen Tiere kennenzulernen, durch Ruhe und Streicheleinheiten Vertrauen aufzubauen und sich durch sicheres und bestimmtes Auftreten Respekt zu verschaffen. Das macht nicht nur Spaß, sondern minimiert auch Stress und Angst während der unumgänglichen Pflege- und Gesundheitsmaßnahmen (z.B. Klauen schneiden, Blutabnahme, medizinische Behandlung, Geburtshilfe) und erhöht die Sicherheit für Mensch und Tier, auch bei der täglichen Routine.

Unsere Lauser halten uns ganz schön auf Trab. Sie bringen uns zum Lachen und machmal rauben sie einem den letzten Nerv. Langweilig wird´s jedenfalls nie und wir haben trotz der vielen Arbeit sehr viel Freude an ihnen. Bei den Tieren im Stall oder auf der Weide zu sein, sie zu streicheln und ihnen beim Fressen und Wiederkäuen zuzuschauen, ist wie Meditation. Man wird irgendwie geerdet.

Trotz aller Erfahrung, die man im Laufe der Zeit sammelt, können einen Rinder immer wieder überraschen. Im Umgang mit Tieren kann man nie auslernen. Und die Wahrheiten von heute sind ja bekanntlich die Irrtümer von morgen. Und so lernen wir weiterhin von unseren Dicken...
  • Hier habe ich noch ein paar persönliche Ausführungen und Tipps zum Thema Erziehung und Sicherheit im Umgang mit Rindern, für interessierte Rinderhalter oder die, die es werden wollen.